Selbst wenn Granitpflastersteine aus derselben Granitsorte bestehen, die gleiche Farbe aufweisen und mit denselben Nennmaßen – beispielsweise 100 × 100 × 50 mm – angegeben werden, kann das fertige Pflaster je nach Bearbeitungsart deutlich unterschiedlich wirken.
Bei manchen Projekten sind die Fugen gleichmäßig, die Pflasterlinien klar und die natürliche Struktur des Steins fügt sich harmonisch in ein geordnetes Verlegebild ein. Bei anderen sehen einzelne Pflastersteine zunächst unauffällig aus, doch bei der Verlegung größerer Flächen müssen ihre Position und die Fugenbreite ständig angepasst werden. Trotzdem können anschließend unterschiedlich breite Fugen oder lokale Höhenunterschiede sichtbar bleiben.
Solche Unterschiede entstehen nicht zwangsläufig erst bei der Verlegung.
Maschinelles Sägen, Spalten, strukturierende Oberflächenbearbeitungen und Trommeln verändern Maße, Kanten und Oberflächenstruktur der Granitpflastersteine. Diese Eigenschaften wirken sich unmittelbar auf die Fugen und das Erscheinungsbild der fertigen Pflasterfläche aus.
Bei der Auswahl von Granitpflastersteinen für ein Projekt reicht es deshalb nicht aus, nur Farbe und Nennmaße zu bestätigen. Ebenso wichtig ist die Frage:
Durch welche Bearbeitungsverfahren wurden die Maße und Oberflächen der Granitpflastersteine hergestellt?
Gleiche Nennmaße können sich bei der Verlegung unterschiedlich auswirken
In Planungsunterlagen werden für Pflastersteine normalerweise eindeutige Abmessungen angegeben, beispielsweise 100 × 100 × 50 mm.
Bei Naturstein müssen diese Maße jedoch immer im Zusammenhang mit der jeweiligen Bearbeitungsart betrachtet werden.
Werden Länge, Breite und Dicke hauptsächlich durch maschinelles Sägen hergestellt, lassen sich die Abmessungen in einem vergleichsweise stabilen Bereich halten. Werden dagegen einzelne Seiten gespalten, bricht der Granit entlang seiner natürlichen Mineralstruktur. Dadurch entstehen an den Kanten stärkere natürliche Abweichungen.
Zwei Produkte mit denselben angegebenen Maßen von 100 × 100 × 50 mm können sich deshalb bei der Verlegung unterschiedlich verhalten.
Für die praktische Verarbeitung sind nicht nur die Nennmaße auf der Zeichnung entscheidend, sondern auch der tatsächliche Maßbereich und die Frage, an welchen Flächen des Steins natürliche Abweichungen auftreten.
Warum lassen sich Fugen bei gesägten Seiten leichter kontrollieren?
Eine wichtige Funktion des maschinellen Sägens besteht darin, eine relativ stabile geometrische Grundlage für den Pflasterstein zu schaffen.
Sind die wesentlichen Seitenflächen gesägt, entstehen klarer definierte Begrenzungen zwischen benachbarten Steinen. Dadurch können Verleger die Fugenbreite sowie gerade Linien, versetzte Verbände und andere regelmäßige Verlegemuster leichter kontrollieren.
Ist beispielsweise eine Fugenbreite von etwa 10 mm vorgesehen und sind Breite und Seitenflächen der Steine relativ gleichmäßig, lässt sich das Pflasterbild hauptsächlich durch die Positionierung der einzelnen Steine steuern.
Weichen die Seiten dagegen stärker voneinander ab, wird es schwieriger, eine gleichmäßige Fugenbreite einzuhalten. Einzelne Fugen müssen dann verbreitert oder verengt werden, um Maßabweichungen auszugleichen.
Bei Hoteleingängen, modernen Wohnanlagen, Vorplätzen von Geschäftsgebäuden und anderen Bereichen mit einem klar geordneten Pflasterbild ist deshalb eine höhere Maßstabilität besonders wichtig.
Das bedeutet jedoch nicht, dass sämtliche Flächen eines Granitpflastersteins gesägt sein müssen.
Bei vielen Projekten können Seiten und Unterseite für die Maßhaltigkeit sorgen, während die sichtbare Oberseite die natürliche Struktur des Granits bewahrt.
Warum entstehen durch Spalten natürlichere Fugen?
Das Spalten funktioniert grundsätzlich anders als das maschinelle Sägen.
Beim Sägen wird der Stein entlang einer vorher festgelegten Linie getrennt. Beim Spalten dagegen wird die natürliche Struktur des Granits genutzt, sodass der Stein entlang eines für das Material typischen Bruchverlaufs auseinanderbricht.
Gespaltene Kanten sind deshalb normalerweise nicht so gerade und regelmäßig wie gesägte Kanten. Sie können leichte Vertiefungen, Vorsprünge und natürliche Maßabweichungen aufweisen.
Werden solche Pflastersteine nebeneinander verlegt, folgen die Fugen den natürlichen Kanten. Dadurch entstehen leichte Unterschiede in der Fugenbreite.
In traditionellen Innenhöfen, im Umfeld historischer Gebäude oder in Landschaftsprojekten, bei denen der Charakter von Naturstein besonders hervorgehoben werden soll, müssen solche Unterschiede kein Mangel sein. Sie können vielmehr dazu beitragen, einen zu stark maschinell wirkenden Eindruck zu vermeiden.
Entscheidend ist jedoch das Ausmaß der Abweichungen.
Werden die Maße gespaltener Pflastersteine nicht ausreichend kontrolliert, entwickelt sich die natürliche Variation der Fugen zu einem Maßproblem, das während der Verlegung ständig korrigiert werden muss.
Bei hochwertigen gespaltenen Granitpflastersteinen geht es deshalb nicht darum, die Steine „möglichst unregelmäßig“ herzustellen.
Das Ziel lautet vielmehr:
Natürliche Kanten erhalten und gleichzeitig die Maßabweichungen so begrenzen, dass sie durch die vorgesehenen Fugen sinnvoll aufgenommen werden können.
Fugen sind auch ein Bestandteil des Maßausgleichs
Die Fugen zwischen Granitpflastersteinen haben nicht nur eine optische Funktion. Sie helfen gleichzeitig dabei, angemessene Maßabweichungen des Natursteins auszugleichen.
Sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Steinen gering, können sie durch kleine Anpassungen der Steinposition und Fugenbreite über die gesamte Pflasterfläche verteilt werden.
Sind die Maßabweichungen dagegen relativ groß und verlangt die Planung gleichzeitig sehr schmale Fugen, können Material und Gestaltungsvorgaben miteinander in Konflikt geraten.
Die Verleger müssen dann möglicherweise einzelne Steine gezielt auswählen, drehen oder die Fugenbreiten lokal verändern. Dadurch steigt der Aufwand bei der Verlegung.
Bearbeitungsgenauigkeit und Fugengestaltung sollten deshalb gemeinsam betrachtet werden.
Grundsätzlich gilt: Je schmaler die Fugen und je regelmäßiger das Verlegemuster, desto wichtiger ist eine stabile Maßhaltigkeit der Pflastersteine. Bei Pflasterflächen mit einem traditionelleren oder natürlicheren Erscheinungsbild können dagegen etwas größere Unterschiede an Kanten und Fugen akzeptiert werden.
Warum beeinflusst die Oberflächenbearbeitung die Ebenheit der Pflasterfläche?
Länge und Breite beeinflussen vor allem die horizontale Anordnung benachbarter Pflastersteine. Die Oberflächenbearbeitung wirkt sich zusätzlich auf die Höhenlage und Ebenheit der fertigen Pflasterfläche aus.
Eine gesägte Oberfläche ist vergleichsweise eben. Natürlich gespaltene oder stärker strukturierte Oberflächen weisen dagegen von Natur aus höhere und niedrigere Bereiche auf.
Unterscheidet sich diese Oberflächenstruktur zwischen einzelnen Steinen zu stark, können lokale Höhenunterschiede sichtbar oder spürbar bleiben, selbst wenn die Unterseiten der Steine auf einem weitgehend einheitlichen Niveau verlegt wurden.
Bei Hoteleingängen, öffentlichen Fußgängerbereichen und gewerblichen Außenanlagen sollte eine strukturierte Natursteinoberfläche deshalb nicht nur hinsichtlich ihrer Rutschhemmung bewertet werden.
Auch der Gehkomfort spielt eine wichtige Rolle.
Eine hochwertige natürliche Oberflächenstruktur muss nicht vollkommen eben sein. Sie sollte den Charakter und die rutschhemmenden Eigenschaften des Granits erhalten und gleichzeitig die Oberflächenunterschiede in einem für die tatsächliche Nutzung geeigneten Bereich halten.
Warum sind Unterseite und Seitenflächen ebenfalls wichtig?
Nach Abschluss der Pflasterarbeiten ist hauptsächlich die Oberseite der Steine sichtbar. Für die Verlegung sind jedoch auch Unterseite und Seitenflächen von großer Bedeutung.
Eine relativ gleichmäßige Unterseite erleichtert die Kontrolle der Verlegehöhe, während maßhaltigere Seitenflächen die Steuerung der Fugenbreite vereinfachen.
Besonders wichtig wird dies dort, wo ein bestimmtes Entwässerungsgefälle eingehalten werden muss, Pflasterflächen an Gebäudeeingänge anschließen oder Übergänge zu großformatigen Granitplatten entstehen.
Sind Unterseite und Seitenflächen zu unregelmäßig, müssen einzelne Steine auf der Baustelle aufwendiger angepasst werden.
Ein sinnvoller Bearbeitungsansatz besteht deshalb darin:
Die sichtbare Oberfläche vermittelt die natürliche Granitstruktur, während Unterseite und ausgewählte Seitenflächen die für die Verlegung erforderliche Maßkontrolle übernehmen.
So lässt sich der natürliche Charakter des Granits erhalten und gleichzeitig die Verlegung besser kontrollieren.
Warum verändert das Trommeln die optische Wirkung der Fugen?
Das Trommeln verändert vor allem die Kanten und Ecken der Granitpflastersteine.
Frisch gesägte Steine besitzen normalerweise relativ scharfe und klar definierte Kanten. Nach der Verlegung treten dadurch die geometrischen Konturen der einzelnen Pflastersteine stärker hervor.
Durch kontrolliertes Trommeln werden Ecken und Kanten weicher. Selbst wenn die tatsächliche Fugenbreite nahezu unverändert bleibt, können die Fugen dadurch optisch natürlicher erscheinen.
Scharfe Kanten unterstützen eher ein klares, geordnetes und modernes Pflasterbild. Leicht getrommelte Kanten reduzieren dagegen den maschinellen Charakter und schaffen weichere Übergänge zwischen den einzelnen Steinen.
Der Grad der Trommelbearbeitung sollte innerhalb einer Produktionscharge jedoch möglichst einheitlich sein.
Sind einige Steine stark abgerundet, während andere noch deutlich scharfe Kanten besitzen, kann die fertige Pflasterfläche trotz ähnlicher Abmessungen uneinheitlich wirken.
Unterschiedliche Verlegemuster stellen unterschiedliche Anforderungen an die Maßhaltigkeit
Granitpflastersteine können in geraden Reihen, im versetzten Verband, in Bögen, Fächern und vielen weiteren Mustern verlegt werden.
Diese Verlegearten reagieren unterschiedlich auf natürliche Maßabweichungen.
Regelmäßige, geradlinige Pflasterungen erzeugen durchgehende optische Bezugslinien. Lokale Maßabweichungen fallen deshalb schneller auf.
Bei Bogen- oder Fächerpflasterungen können bestimmte angemessene Maßunterschiede teilweise über die Ausrichtung der Steine und den Verlauf der Fugen aufgenommen werden.
Das bedeutet nicht, dass komplexere Verlegemuster Pflastersteine mit schlecht kontrollierten Abmessungen erlauben.
Vielmehr gilt:
Bearbeitungsart, Maßbereich und Verlegemuster sollten als zusammenhängendes System betrachtet werden.
Ist bereits in der Planung ein präzises geradliniges Pflaster mit schmalen Fugen vorgesehen, sollten die entsprechenden Maßanforderungen vor Beginn der Produktion festgelegt werden. Es ist nicht sinnvoll, alle notwendigen Korrekturen erst den Verlegern auf der Baustelle zu überlassen.
Bearbeitungsart, Fugen und Pflasterbild müssen zusammenpassen
Natürliche Granitpflastersteine unterscheiden sich von industriell hergestellten Pflasterelementen.
Werden sämtliche Maße, Kanten und Oberflächen vollkommen identisch ausgeführt, kann ein Teil des natürlichen Charakters des Steins verloren gehen. Fehlt dagegen eine ausreichende Bearbeitungskontrolle, können Fugen, Verlegemuster und Höhenlage der fertigen Fläche schwerer zu beherrschen sein.
Die richtige Lösung besteht deshalb nicht darin, zwischen „vollkommen regelmäßig“ und „vollkommen natürlich“ zu wählen.
Entscheidend ist vielmehr, welche Bereiche des Pflastersteins stabil sein müssen und wo natürliche Unterschiede erhalten bleiben können.
Maschinelles Sägen schafft die grundlegende Maßhaltigkeit. Spalten und strukturierende Bearbeitungen erzeugen eine natürliche Oberfläche. Trommeln verändert den Charakter der Kanten, während richtig geplante Fugen angemessene Maßabweichungen aufnehmen können.
Das endgültige Erscheinungsbild einer Pflasterfläche aus Granit wird deshalb nicht allein durch Farbe und Nennmaße bestimmt, sondern durch das Zusammenspiel von Bearbeitungsart, Maßkontrolle, Fugengestaltung und Verlegemuster.
Werden diese Faktoren bereits vor der Produktion gemeinsam berücksichtigt, können Granitpflastersteine ihren authentischen Natursteincharakter bewahren und gleichzeitig die Anforderungen an Verlegung, Nutzungskomfort und die gesamte Landschaftsgestaltung erfüllen.



