In europäischen Altstädten, Innenhöfen historischer Gebäude, Herrenhäusern, traditionellen Straßen und älteren Gewerbebereichen finden sich häufig Natursteinpflasterflächen, die bereits seit mehreren Jahrzehnten oder sogar noch länger genutzt werden.
Durch jahrelange Nutzung durch Fußgänger und Fahrzeuge sowie durch natürliche Witterungseinflüsse entwickeln alte Granitpflastersteine nach und nach weichere Kanten, natürlich abgenutzte Oberflächen und ein harmonisches Farbspiel. Bei der Sanierung historischer Bereiche versuchen Planer deshalb häufig, möglichst viel des vorhandenen Materials zu erhalten, anstatt die gesamte Pflasterfläche zu entfernen und vollständig durch neue Steine zu ersetzen.
In der Praxis können alte Pflastersteine jedoch nur selten zu 100 % wiederverwendet werden.
Ein Teil der Steine kann gebrochen, abgeplatzt oder stark abgenutzt sein. An der Unterseite anderer Steine können alte Mörtelreste haften, sodass sie selbst nach der Reinigung für eine erneute Verlegung ungeeignet sind. Änderungen an Entwässerungssystemen, unterirdischen Leitungen, barrierefreien Wegen oder der gesamten Freiraumplanung können außerdem dazu führen, dass sich die benötigte Pflasterfläche vergrößert.
Wenn die Menge der wiederverwendbaren Altsteine nicht ausreicht, können neue antik bearbeitete Granitpflastersteine eine geeignete Ergänzung darstellen.
Die eigentliche Herausforderung besteht jedoch nicht darin, einfach einen neuen Stein zu finden, der „alt aussieht“. Entscheidend ist vielmehr, dass sich das neue Material hinsichtlich Farbe, Abmessungen, Dicke, Oberflächencharakter, Fugen und Verlegebild möglichst natürlich in die vorhandene Pflasterfläche einfügt.
Zuerst bestimmen, wie viele alte Pflastersteine tatsächlich wiederverwendet werden können
Der erste Schritt bei der Sanierung eines historischen Pflasters sollte nicht darin bestehen, sofort die benötigte Menge neuer Steine zu berechnen. Zunächst müssen die ausgebauten Altsteine sortiert und bewertet werden.
Strukturell intakte Steine mit ausreichender Dicke und gut erhaltenem Zustand können in der Regel gereinigt und erneut verlegt werden. Pflastersteine mit kleineren Kantenschäden, die weiterhin ausreichend stabil sind, können gegebenenfalls in weniger exponierten Bereichen eingesetzt werden. Steine mit deutlichen Rissen, schweren Beschädigungen oder unzureichender Dicke sollten dagegen normalerweise nicht wiederverwendet werden.
Eine vorhandene Pflasterfläche von beispielsweise 1.000 m² bedeutet deshalb nicht automatisch, dass nach dem Ausbau wieder 1.000 m² verwendbares Material zur Verfügung stehen.
Wenn nach der Sortierung nur 720 m² Altmaterial wiederverwendet werden können und die neue Planung eine Pflasterfläche von insgesamt 1.100 m² vorsieht, fehlen bereits etwa 380 m² Material. Zusätzlich sollte ein angemessener Zuschlag für Anpassungen auf der Baustelle und Verlegeverluste berücksichtigt werden.
Die tatsächlich wiederverwendbare Menge des vorhandenen Pflasters und die neue geplante Gesamtfläche bilden daher die sinnvollere Grundlage für die Berechnung der benötigten Menge neuer antik bearbeiteter Granitpflastersteine.
Nicht nur einen einzigen alten Pflasterstein vermessen
Historische Granitpflasterflächen weisen nur selten die Maßgenauigkeit moderner maschinell bearbeiteter Pflastersteine auf.
Nach jahrzehntelanger Nutzung, verschiedenen Reparaturen und teilweisem Austausch können innerhalb derselben Fläche unterschiedliche Steinformate vorhanden sein.
Pflastersteine, die auf den ersten Blick ungefähr 100 × 100 mm groß erscheinen, können bei genauer Messung beispielsweise 95 × 100 mm, 100 × 105 mm oder noch stärker abweichende Abmessungen aufweisen.
Wenn neue antik bearbeitete Granitpflastersteine zur Ergänzung benötigt werden, sollte deshalb nicht ein einzelner Altstein als alleinige Produktionsreferenz verwendet werden.
Sinnvoller ist es, mehrere repräsentative Steine aus unterschiedlichen Bereichen auszuwählen und Länge, Breite, Dicke, Farbspektrum, Oberflächenzustand und Kantencharakter zu dokumentieren. Auch die ungefähre Fugenbreite des bestehenden Pflasters sollte erfasst werden.
Auf Grundlage dieser Informationen lässt sich ein geeigneter Maßbereich für das neue Material festlegen. Gleichzeitig können mögliche Probleme beim Übergang zwischen altem und neuem Pflaster bereits vor der Produktion erkannt werden.
Neue Steine müssen nicht jeden einzelnen Altstein exakt kopieren
Historische Pflasterflächen weisen in der Regel bereits natürliche Unterschiede auf.
Wenn jeder neue antik bearbeitete Granitpflasterstein exakt die Farbe, Abmessungen und Oberflächenstruktur eines bestimmten Altsteins kopieren soll, kann das Gesamtbild sogar weniger natürlich wirken.
Entscheidend ist die Wirkung der gesamten Pflasterfläche und nicht die exakte Übereinstimmung einzelner Steine.
Besteht das vorhandene Pflaster beispielsweise überwiegend aus dunkelgrauen, grauschwarzen und einzelnen helleren Grautönen, kann das neue Material innerhalb eines entsprechenden Farbspektrums ausgewählt werden.
Planer sollten vor allem darauf achten, ob das neue Material zu gleichmäßig wirkt, deutliche Farbflächen entstehen, sich die Oberfläche zu stark vom vorhandenen Pflaster unterscheidet oder zwischen alten und neuen Bereichen eine auffällige Trennlinie sichtbar wird.
Bei solchen Projekten ist die Beurteilung einer größeren Materialmenge deshalb meist wichtiger als die Frage, ob zwei einzelne Pflastersteine vollkommen identisch aussehen.
Warum eignen sich antik bearbeitete Granitpflastersteine für solche Ergänzungen?
Selbst wenn die Farbe des neuen Granits gut zum Altmaterial passt, können neu produzierte Pflastersteine mit scharfen Kanten und sehr regelmäßigen Oberflächen deutlich auffallen, wenn sie direkt neben jahrzehntelang genutzten Steinen verlegt werden.
Denn die Zeit verändert nicht nur die Farbe. Sie beeinflusst auch die Kanten, die Oberflächenstruktur und den gesamten Charakter des Pflasters.
Durch eine geeignete antike Oberflächenbearbeitung kann der zu scharfe und maschinell wirkende Charakter neuer Granitpflastersteine reduziert werden. Dadurch lässt sich das neue Material leichter in bestehende historische Pflasterflächen integrieren.
Das bedeutet jedoch nicht, dass ein möglichst starker Alterungseffekt automatisch besser ist.
Ziel einer antiken Bearbeitung bei einem Sanierungsprojekt ist es, neues Material zu schaffen, das sich harmonisch in die vorhandene Umgebung einfügt – nicht, eine übertriebene künstliche Alterung zu erzeugen.
Auch die Verteilung von alten und neuen Pflastersteinen ist entscheidend
Selbst ein gut abgestimmtes neues Material kann eine deutliche Grenze erzeugen, wenn sämtliche neuen Steine konzentriert in einem einzigen Bereich verlegt werden.
Die Verteilung von Alt- und Neumaterial sollte deshalb bereits bei der Planung des Pflasters berücksichtigt werden.
Ist der historische Kernbereich gut erhalten, können die vorhandenen Altsteine bevorzugt in den optisch oder historisch besonders wichtigen Bereichen wiederverwendet werden. Neue antik bearbeitete Granitpflastersteine können dagegen in Erweiterungsflächen oder neu angelegten Bereichen eingesetzt werden.
Wo neues und bestehendes Pflaster unmittelbar aufeinandertreffen, kann eine Übergangszone sinnvoll sein. Innerhalb dieser Zone lassen sich Abmessungen, Farbverteilung und Fugenbild schrittweise anpassen.
Bei geeigneten Projekten können alte und neue Pflastersteine auch kontrolliert miteinander gemischt werden. Eine solche Mischung sollte jedoch nicht vollkommen zufällig erfolgen. Bestehen erkennbare Farbunterschiede, sollten vor der Verlegung grundlegende Verteilungsregeln festgelegt werden, damit keine auffälligen Farbflächen entstehen.
Unterschiede bei der Dicke und die fertige Pflasterhöhe berücksichtigen
Nach jahrzehntelanger Nutzung können alte Pflastersteine unterschiedliche Dicken aufweisen. Neue Granitpflastersteine werden dagegen normalerweise innerhalb eines festgelegten Dickenbereichs produziert.
Bei der gemeinsamen Verlegung von Alt- und Neumaterial reicht es deshalb nicht aus, nur Länge und Breite der Steine zu vergleichen. Auch die endgültige Oberflächenhöhe des Pflasters muss berücksichtigt werden.
Unterschiedliche Steindicken können über einen entsprechend angepassten Unterbau oder die Bettung ausgeglichen werden, damit nach Abschluss der Arbeiten eine möglichst gleichmäßige und durchgehende Oberfläche entsteht.
Besonders wichtig ist dies an Gebäudeeingängen, Entwässerungsrinnen, barrierefreien Wegen und an direkten Übergängen zwischen bestehendem und neuem Pflaster.
Selbst wenn Farbe und Oberflächencharakter gut aufeinander abgestimmt sind, kann eine unzureichende Höhenkontrolle die Qualität und Nutzbarkeit der fertigen Pflasterfläche beeinträchtigen.
Die Fugenbreite beeinflusst den natürlichen Übergang zwischen Alt und Neu
Die Fugen historischer Granitpflasterflächen sind nur selten vollkommen gleichmäßig.
Wenn neue antik bearbeitete Granitpflastersteine sehr maßhaltig sind und mit extrem schmalen, gleichmäßigen Fugen verlegt werden, kann sich der neue Bereich deutlich vom bestehenden Pflaster abheben.
Die Fugengestaltung sollte deshalb die vorhandenen Steinabmessungen, die Spezifikation der neuen Pflastersteine, die bestehenden Fugenbreiten und das geplante Verlegemuster berücksichtigen.
Besondere Aufmerksamkeit erfordern die direkten Übergänge zwischen alten und neuen Pflasterflächen.
Entstehen am Rand zahlreiche sehr kleine Zuschnittstücke, keilförmige Fugen oder plötzlich deutlich breitere Fugen, sollte der Ausgangspunkt der Verlegung oder das Verlegemodul angepasst werden. Solche Probleme sollten nicht erst in der letzten Steinreihe gelöst werden.
Vor der großflächigen Verlegung eine Musterfläche anlegen
Einzelne Steinmuster sind hilfreich, um Farbe und Oberflächenbearbeitung zu beurteilen. Sie zeigen jedoch nicht vollständig, wie altes und neues Material nach der gemeinsamen Verlegung wirken.
Bei größeren oder gestalterisch anspruchsvollen Sanierungsprojekten empfiehlt es sich daher, vor Beginn der großflächigen Arbeiten eine repräsentative Musterfläche anzulegen.
Dabei können vorhandene Altsteine, neue antik bearbeitete Granitpflastersteine, die geplante Fugenbreite und das vorgesehene Fugenmaterial gemeinsam dargestellt werden.
Planer, Auftragnehmer und Bauherren können dadurch beurteilen, ob Farbwirkung, Abmessungen, Fugenbild und das Verhältnis zwischen alten und neuen Steinen harmonisch funktionieren.
Wirkt das neue Material zu konzentriert, sind die Farbunterschiede zu deutlich oder funktioniert der Übergang der Fugen nicht wie geplant, können Anpassungen vorgenommen werden, bevor die gesamte Fläche verlegt wird.
Welche Informationen sollten vor einer Angebotsanfrage bereitgestellt werden?
Wenn neue antik bearbeitete Granitpflastersteine zur Ergänzung einer bestehenden historischen Pflasterfläche benötigt werden, helfen möglichst vollständige Projektinformationen dem Lieferanten bei der Auswahl des geeigneten Materials und der Festlegung der Produktion.
Übersichtsfotos der vorhandenen Pflasterfläche zeigen den architektonischen und städtebaulichen Kontext. Nahaufnahmen der alten Steine helfen bei der Beurteilung von Farbe, Mineralstruktur, Oberfläche und Kanten.
Mehrere repräsentative Pflastersteine sollten vermessen werden, um einen realistischen Bereich für Länge, Breite und Dicke festzulegen, anstatt nur ein einziges Nennmaß anzugeben.
Darüber hinaus sollten die voraussichtlich wiederverwendbare Menge der Altsteine, die zusätzliche Pflasterfläche, die benötigte Menge neuer Steine sowie die geplante Verteilung der Materialien angegeben werden – beispielsweise getrennte Bereiche, Übergangszonen oder eine kontrollierte Mischung von Alt- und Neumaterial.
Falls bereits Pflasterpläne, Detailzeichnungen oder Verlegepläne vorhanden sind, sollten diese ebenfalls zur Verfügung gestellt werden.
Bei anspruchsvolleren Sanierungsprojekten können repräsentative Originalmuster des vorhandenen Steins zusätzlich dabei helfen, den geeigneten Granit, die Abmessungen und die Oberflächenbearbeitung für das neue Material festzulegen.
Ziel der Sanierung ist nicht, neue Steine so aussehen zu lassen, als wären sie „seit 100 Jahren in Gebrauch“
Der besondere Charakter historischer Pflasterflächen entsteht durch reale Veränderungen, die sich über viele Jahre durch Nutzung und Witterung entwickelt haben. Diese Wirkung der Zeit lässt sich durch eine Bearbeitung neuer Steine nicht vollständig reproduzieren.
Neue antik bearbeitete Granitpflastersteine sollten deshalb nicht als exakte Kopien des historischen Materials betrachtet werden.
Ihre eigentliche Aufgabe besteht darin, fehlende Altsteine durch ein neues Material zu ergänzen, das sich harmonisch in die bestehende Umgebung einfügt und gleichzeitig die technischen Anforderungen des modernisierten Projekts erfüllt.
Von der Sortierung der vorhandenen Steine über die Vermessung und Ermittlung des Materialbedarfs bis hin zur Auswahl des neuen Granits, zur Kontrolle der Dicke, zur Fugengestaltung, zur Verlegeplanung und zur Freigabe einer Musterfläche beeinflusst jeder einzelne Schritt das spätere Zusammenspiel zwischen altem und neuem Pflaster.
Für Planer, Bauunternehmen und Einkäufer ist es deshalb wesentlich wichtiger, zunächst den tatsächlichen Zustand der vorhandenen Pflasterfläche zu verstehen und anschließend die Abmessungen und Mengen der neuen antik bearbeiteten Granitpflastersteine festzulegen, als lediglich nach einem Produkt zu suchen, das „alt aussieht“.



